Monday, November 23, 2009

was es ist (erich fried)

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Wednesday, November 18, 2009

verwirr mich.
lass mich nicht das dickicht durchdringen, das meine gedanken sind.
lass mich knietief warten in unverständnis, denn nur so kann ich glauben, dich zu erkennen, frei von der erkenntnis, wer du bist.
erklär' dich nicht.
klär mich nicht auf darüber, was du vorhast.
mit mir oder ohne mich.
ich fülle mein glas mit wein und dich mit assoziation und sinnbild und vielleicht werden wir uns nie mehr so nah sein wie in diesem moment, da noch kein wort sich aufbäumen konnte zwischen uns.
erklärung rechtfertigung diskussion vorwurf disput entschuldigung argument fakt dialog konflikt
bau keine mauer aus gutgemeinter annäherung.
wenn ich jetzt noch näher komme, sitze ich auf deinem schoß.
(willst du das?)
erklär' dich nicht.
klär' mich nicht auf.
lass mich im nebel verweilen, noch ein bisschen
zeig dich in diffusem licht
bevor die sonne durchbricht
und wir unserer wege gehen
erkenntniserhellt
und lieber allein.

Monday, November 9, 2009

ich bin transparent.
ich kann durch mich hindurchsehen und in mich hinein und es ist bunt.
doch es sind nur die farben meiner umgebung und das licht, das sich in meinem vasenbauch bricht.
vielleicht fülle ich ihn mit wasser und stelle margeriten hinein.
ich klopfe an und lausche und tatsächlich sind da worte und sätze. sätze und worte wortsätzeworte, die sich wiederholen und dann verhallen, denn nichts neues kommt hinzu und also verlieren sie ihre bedeutung und sind nurmehr die erinnerung früherer funken, asche geworden.
ein phoenix, vielleicht bald, aber noch bin ich ein aschenbecher, übervoll.
gauloises, denn markenverliebtheit ist immerhin eine art der verliebtheit.
liebeliebe, lange nichts gehört von dir.
gerne würde ich in die muscheln säuseln und zuerst auflegen, nein du zuerst, nein du, aber das freizeichen ist mein herzschlag und gibt mich frei.
so frei, vogelfrei.
ich bin so frei und fordere mich selbst zum tanz auf.
sehr gerne, danke.

Tuesday, November 3, 2009

noch ein bisschen die füße unter die geblümte bettdecke stecken, bevor der tag richtig anfängt.
neben mir auf dem nachttisch wird der kaffee kalt, drei becher schon heute morgen, bei denen es bestimmt nicht bleiben wird.
es kommt wirklich auf die perpektive an und der friedhof gegenüber meines fensters ist eigentlich ein park, der momentan fast klischeehaft herbstlich in goldroten flammen aufgeht.

manchmal brauche ich nicht mehr als kopfhörer und ein buch, um ziellos in der stadt herumzuwandern und irrational glücklich zu sein.
ich bin überall und nirgends und vielleicht gerade deshalb nie so sehr bei mir.

bin ich angekommen?
in manchen momenten denke ich, ja, aber es gibt immer diese blitzeindrücke, so wie gestern abend, als wir uns versammelten, um I heart Huckabees zu sehen, und ich in der mitte all dieser menschen sitze und denke, mit denen hast du im grunde nichts gemein und dann gehe ich und setze mich in die küche, um wein zu trinken und gauloises zu rauchen und kafkas liebesbrief an felice zu lesen.

ich bin auch zu ungeduldig, das muss aufhören.

Monday, November 2, 2009

einuhr

lass mich doch.
meinen wein alleine trinken. rosé magst du ohnehin nicht.
lass mich.
die zigaretten rauchen. ohne mich zu fragen, ob du eine haben kannst und ich also morgen eine neue schachtel, besser noch: eine neue sorte kaufen muss, weil das quasi mund zu mund ist. aber noch zu wenig.

lass mich, wenn schon, dann richtig alleine.

Sunday, November 1, 2009

das ist wider die vernunft.
ich weiß es und kann es nicht ändern.
ich renne mit offenen augen ins unglück. balanciere auf der rasierklinge. tänzle barfuß auf den glühenden kohlen.
und ich weiß es doch, ich weiß doch, ich weiß.
aber ich glaube nicht mehr, dass man sich kontrollieren kann. unterdrücken, vielleicht.
aber nicht ausdrücken, wie die zigaretten, die wir rauchen, während wir reden und trinken und ich das gefühl in wellen niederkämpfe, so wie es immer wieder über mich hinwegrauscht, als hätte ich kein wort mitzureden.
will ich im grunde auch nicht.
ich will nicht reden, sondern einen lutscher lutschen, der mir die zunge blau färbt und tanzen, alleine.
oder besser: nicht alleine, sondern mit jemandem.
aber nicht irgendjemandem und da liegt ja das problem.
stattdessen sage ich 'morrissey, soso.'

wie hast du das gemacht?

Sunday, October 25, 2009

Das Wochenende ist scheinbar nie lang genug für alle Dinge, die ich liegen lasse.
Oder nicht tue, um andere Dinge zu tun.
Dieses Wochenende also: Nicht den Metronom nach Hamburg gekriegt, dafür aber horrende 40 Euro für ein IC-Ticket hingeblättert (horrend vielleicht nicht im eigentlichen Sinne, aber doch in dem, dass ich unter sonnigeren Umständen die gleiche Strecke umsonst hätte fahren können) und dann Sekt und Abteilgespräche mit einem Rentner, der sich noch etwas Geld dazuverdient, indem er Neuwagen zu ihren Neubesitzern befördert.
Nicht auch den Schrank aufgeräumt, dafür eine Flut von Mexikanern getrunken.
Nicht den Kohlrabi in die Küche gebracht, den meine Mutter bei ihrem letzten Besuch vergessen hat und der sich als Raumdekor so gut macht, dass ich ihn schon gänzlich übersehe, dafür in enger Lederhose zu ganz und gar fragwürdiger Musik getanzt und von diesem Scooter-Sänger zu einem Drink eingeladen worden.
(Wenn man den Scooter-Sänger überhaupt als Sänger im eigentlichen Sinn bezeichnen kann. Ein Drink im eigentlichen Sinne war's jedenfalls und ich also zufrieden.)
Auch nicht habe ich die Post geöffnet, dafür eine von Jem gecoverte Version von Coldplay's 'Yellow' entdeckt und für gut befunden.
'For you I'd bleed myself dry'. Ich frage mich, ob es das gibt. Wörtlich, nicht im Sinne einer lyrischen Liebeserklärung in einem klavieruntermalten Songtext. Wenn es Menschen gibt, die sowas tun, würde ich sie gerne kennenlernen, aber dafür ist es dann ja wohl zu spät.

Bevor ich meinen Metronom am Freitag nicht bekommen habe, war ich befremdet wie lange nicht.
Ich traf einige Menschen, die die besten Vorraussetzungen boten, um zumindest aus derselben Flasche Sambuca zu trinken und davon ausgehend über alles zu reden, worüber man redet, wenn man neu in Hildesheim ist und noch ein bisschen desorientiert und dies vielleicht nicht zugeben will oder doch.
Mein Alter, neu an der Uni, Zigarette.
Dann aber machten sie ihre Münder auf und sagten 'Schlafen. Essen. Kacken. Ficken'.
Im Sinne eines Rankings der Dinge, die das Leben lebenswert machen.
Das schockierte mich und ich weiß nicht genau, warum.
An der Reihenfolge lag es nicht.
Am Sprachgebrauch aber schon und jetzt frage ich mich, ob ich zu zart besaitet bin, dass mich diese Art der (nur halb ironischen) Derbheit mich so anfremdet.

Verwirrt bin ich jedenfalls, auch angesichts der Zeitumstellung aber ich glaube, ich habe noch eine knappe halbe Stunde bis Montag. Vielleicht räume ich den Kohlrabi weg, auch wenn ich meine Raumplanung dann ändern muss, da ich langsam aber sicher angefangen habe, um ihn herum zu dekorieren.